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Salman Rushdie in Heidenreichstein 1 © Galerie REINBERG
Salman Rushdie in Heidenreichstein © Galerie REINBERG

Salman Rushdie in Heidenreichstein

Salman Rushdie sagt: „Ich bin sehr glücklich, wieder in der Welt der Fiktion zu sein. Ich werde immer wieder durch Zufälle herausgerissen, aber die Fiktion ist der Ort, wo ich leben möchte und wo ich die meiste Zeit meines Lebens verbracht habe. Ich bin zurück.“

Die Sicherheitsvorkehrungen waren diesmal deutlich ausgeprägter als sonst. Der indischstämmige, vielfache Preisträger ist leider auch vielfach angefeindet, bedroht und verletzt worden.

Daher mussten die Zuseher- und Zuhörer:innen beim 20. Lesefestival „Literatur im Nebel“ in der Margithalle in Heidenreichstein strenge Zutrittskontrollen passieren.

Gastgeberin Christine Scholten und der weltberühmte Schriftsteller Salman Rushdie beim Literatur-Jahresevent „Literatur im Nebel“ 2026. Foto: Herbert Starmühler

Doch es lohnte sich: Christine und Rudolf Scholten konnten nicht nur einen gutgelaunten Salman Rushdie begrüßen, sondern neben der Stadtpolitik, allen voran Bürgermeisterin Alexandra Weber, auch viele prominente Vertreter von Literatur, Presse und öffentlichem Leben.

Dass Salman Rushdie wieder so fit, eloquent und charmant im Waldviertel auftreten konnte, gleicht einem Wunder. Doch an Wunder glaubt er nicht. „Ich bin und bleibe gottlos“ schmunzelte der bekennende Atheist.

Eher seien es die Lebensretter vor Ort, die Ärzte und vor allem seine Frau Rachel Eliza Griffith gewesen, die sein Überleben (nach 15 Messerstichen und wochenlanger Intensivstation) ermöglichten.

Und er selbst, wie er im kathartischen Bericht KNIFE schreibt. In diesem Buch (Untertitel GEDANKEN NACH EINEM MORDVERSUCH) lässt er die traumatischen Ereignisse Revue passieren. Eine ganze Reihe prominenter Theaterleute und Autorinnen las daraus vor: Dimitré Dinev, Raphaela Edelbauer, Natascha Gangl, Robert Menasse, Karin Peschka, Doron Rabinovici sowie (über Religion und Kunst) Anna Maschik, Bogdan Roščić, Franz Schuh.

Erst nachdem Rushdie sich die Zeit der Rekonvaleszenz und die alptraumhaften Monate nach dem Attentat am 12. August 2022 von der Seele geschrieben hatte, ging er wieder seiner Profession nach (und schrieb das Buch DIE ELFTE STUNDE, aus dem Burgschauspieler Michael Maertens vorlas).

Der mittlerweile 79-jährige geborene Inder, der in New York lebt, begeisterte die brechend volle Margithalle in Heidenreichstein mit seinem bedingungslosen Eintreten für die Meinungsfreiheit – und mit seinem Humor. Den hat er nicht verloren, obwohl das Todesurteil, die Fatwa durch Ayatollah Khomein, 1989 (nach Veröffentlichung von The Satanic Verses / Die satanischen Verse) sein Leben komplett veränderte. Es war der Beginn jahrelanger Schutzmaßnahmen und eines Lebens im Untergrund.

„Ich fühle mich wohl hier in Heidenreichstein“ meinte er und: „Ich fühle mich sicher hier“.

Vor 20 Jahren markierte der so überraschend wie mitreißende Besuch von Salman Rushdie, der schon damals einer der prägendsten Erzähler des 20. und 21. Jahrhunderts war, den Beginn von Literatur im Nebel in Heidenreichstein.

Ihm folgten mit Amos Oz, Jorge Semprún, Margaret Atwood, Hans Magnus Enzensberger, Nuruddin Farah, Ljudmila Ulitzkaja, Louis Begley, Ian McEwan, Christoph Hein, Swetlana Alexijewitsch, Herta Müller, J.M. Coetzee, Liao Yiwu, Vladimir Sorokin, Péter Nádas und Tsitsi Dangarembga weitere herausragende und mannigfach ausgezeichnete internationale Autorinnen und Autoren als Ehrengäste von „Literatur im Nebel“.

„Dass Salman Rushdie uns 2026 in Heidenreichstein erneut die Ehre gibt, bezeichnet ein „full circle moment“ für Literatur im Nebel, den wir gebührend feiern wollen.“ sagt Festival-Mastermind Rudolf Scholten.

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