NEWS.Szene

Image
Neuanfang in der Astoria Garage in Wien. Die Galerie-Szene im Umbruch. © gR_Herbert Starmühler

Wien bleibt Wien. Oder?

Die Wiener Galerienszene schwankt zwischen angestrengter Auto-Euphorie und kollektiver Niedergeschlagenheit.

Vom White Cube in die Autogarage

Kommentar
Die Kunsthauptstadt a.D. stolpert derzeit zu neuen Ufern, deren Umrisse allerdings nur schemenhaft erkennbar sind. Jedenfalls für Galerien in Vienna gilt: Alles scheint möglich, nix ist fix. Die Kaiserstadt muss schauen, dass ihre Galerien nicht in die Regionalliga abzusteigen.

Blödsinn, hören wir schon die Präsidialen des Vereins Vienna Art United (VAU), widersprechen. Alles sei in bester Stimmung, es ist ein mächtiger Aufschwung im Gang. Der VAU, das ist ein Verein einiger prominenter Galerien, die dem Verblassen der Kunstmesse-Szene trotzen möchten.

Denn die meisten Artshows haben aktuell Pause oder sind untergegangen. Sie hießen z.B. Vienna Contemprary (2025 zum letzten Mal) oder SPARK (derzeit Sendepause, vielleicht 2027 wieder?). Damit sind Krinzinger & Co ihrer letzten gravierenden Auftrittsmöglichkeiten beraubt. Was tun?

Man ist auf der Suche nach einer Location in der Autograrage angekommen. In einem Schnellschuss adaptierte der VAU die prächtige aber halt garagendreckige Astoria Garage im Zentrum für einige Tage im September 2026 und stellte jeweils einen Künstler, eine Künstlerin aus. Eine öffentliche Ausschreibung zur Bewerbung vermied man, die Förderungen der etwas anderen Stadt Wien gab es dennoch. 250.000 Euro sollen es laut Medienberichten gewesen sein, die vorzugsweise über die Betriebe der Wien Holding gespendet wurden.

Und so mutierten die hochmögenden Luxushäuser, die sonst in Basel, Paris oder Miami präsentieren, in Wien zur Garagengang, sozusagen als Parallel zur Parallel. Bisher war die PARALLEL Vienna als letzte verbliebene Kunstschau immer als junges, wildes Gegenstück zur feinen Contemporary-Messe aufgetreten. Nun schleppten die ersten Wiener Art-Adressen ihre Kunstwerke auf rumpeligen Rampen in einer Autogarage hoch während die Alternativmesse PARALLEL Vienna auf der attraktiven Baumgartner Höhe logierte.

Anyway: Wir waren dabei (die Galerie REINBERG stellte auf der Parallel Vienna aus) und beobachteten das Treiben am Wiener Parkett. Unser Eindruck: Es ist eine liebenswürdige, aber schon ein wenig hilflos wirkende Mixtur aus Gemauschel, Geneide, Gedränge. Man ist ob des nachlassenden Interesses an den lange gehorteten Staudachers, Brandls, Nitsches oder Prachenskys etwas verwurmt, weiß aber, dass die Jungen den väterlichen Kunstgeschmack nicht mehr so goutieren.

Messen sind zu teuer geworden, seit die Nachfrage des Publikums nach hochpreisiger Ware in Österreich (wie auch anderswo) nachgelassen hat. Neue Varianten der Kunstvermittlung sind gefragt, neue Präsentationsformen, neue Partnerschaften.

Man wird sehen, wohin sich Galerien entwickeln, es bleibt spannend. Für uns gilt: Herzlichen Dank an all unsere Freunde und Freundinnen. die die Galerie REINBERG bisher so wunderbar begleitet und unterstützt haben! Das Modell der persönlichen Beratung, des künstlerischen Austausches vor Ort dürfte jedenfalls Bestand haben.

Herbert Starmühler
Galerie REINBERG